Netzwerk

 

Ein Netzwerk entsteht über Jahre. Es entwickelt sich und wächst - manchmal aus Zufall, manchmal durch gezielte Suche. Es kann nicht ohne Begegnungen, Kommunikation und gegenseitige Beeinflussung entstehen. Ein Netzwerk ist ein Verbund von Möglichkeiten, deren Summe größer ist als die Anzahl seiner Mitglieder. Hier kommen Erfahrungen zusammen, die ein einzelner Mensch nicht haben kann. Was das SPACEWALK-Netzwerk ausmacht, setzt sich in seiner Arbeit fort: ein stetiger Prozeß des Gebens und Nehmens. Entstehungsprozesse Irgendwann, Anfang der 90er Jahre, hatte der Schauspieler und Regisseur Markus Kissling genug vom herkömmlichen Theaterbetrieb.

 

Die gewohnten Methoden schienen ihm immer zweifelhafter: Zu sehr widersprachen sich der politische und aufklärerische Anspruch und die tatsächliche Arbeitsweise. Hinzu kam, daß im Theater Probleme und Themen unabhängig von den Menschen abgehandelt wurden und werden, die tatsächlich betroffen sind. Aus dieser Bestandsaufnahme schälten sich neue Überlegungen und Ziele für eine zukünftige Arbeit heraus. Wenn man an einem Ort lebt, kann man als Künstler etwas für diesen Ort und die Menschen tun. Das geht nicht, wenn man im Theater dieses Ortes beschäftigt ist, denn dort beschäftigt man sich mit sich selbst und dem eigenen Mikrokosmos.

 

Der Künstler soll aber inmitten der Menschen leben, für die und mit denen er arbeitet. Der künstlerische Entstehungsprozeß hat eine eigene Strahlkraft und ist wichtiger als das Ergebnis. Dabei ist letzteres nicht zu vernachlässigen, da es ja gleichsam das Aushängeschild ist. Ziel der Arbeit sollte es sein, mit den Betroffenen, die oft Laien sind, zusammenzuarbeiten und sie am Arbeitsprozeß zu beteiligen. Das Spannendste an der Kunst ist es, sie selbst zu machen. Die Beteiligten haben dabei die Chance, ihre Sache selbst zu vertreten.

 

Bei der Entwicklung dieser Gedanken waren eine Reihe von Begegnungen hilfreich und wichtig. Vom Regisseur und Drehbuchautor Stefan Julián Neuschäfer kam die Ermutigung, mit Laien zu arbeiten und ihnen zuzuhören. Der senegalesische Griot und Tänzer Nago Koité brachte sein Talent und seinen fremden Blick auf die westlich-europäische Kultur mit ins Spiel. Volker Eschmann (Ethnologe/Tänzer) und Peter Grünheid (Soziologe) erwiesen sich nicht nur als findige und unermüdliche Organisatoren, sondern auch als kompetente Ratgeber und Gesprächspartner. Durch die Begegnung mit der Erziehungswissenschaftlerin Conny Neumann bekam die Arbeit den notwendigen pädagogischen Unter- und Überbau, ohne den SPACEWALK heute nicht so erfolgreiche erzieherische und persönlichkeitsbildende Arbeit leisten könnte. Unterschiedlichste Personen, wie der Physiker Christian Blöss, die japanische Schauspielerin Yoshie Marouka, der schweizer Bühnenbildner Copi Remund oder der slowakische Musiker Peter Machajdik stehen für eine Reihe von Menschen, die bei SPACEWALK ständig oder immer wieder mitarbeiten.

 

Allen gemeinsam ist, daß sie die geschützten Nischen ihres Berufsfelds verlassen und sich auf eine Reise ins Neue gewagt haben. Diese Vielfalt der Interessen und Fähigkeiten erlaubt es SPACEWALK, in einer Vielzahl von Bereichen tätig zu werden.