Ansatz

SPACEWALK betreibt künstlerische, kulturelle und ästhetische Arbeit im gesellschaftlichen Raum. Dabei bezieht sich SPACEWALK auf eine Reihe von Konzepten, die sich ergänzen und in ihrer Begrifflichkeit aufeinander beziehen, so dass auch hier eine Vernetzung erfolgt. Dieses Bezugssystem ist eine Art angewandter Philosophie, die sich in der Arbeitspraxis als brauchbar und flexibel erwiesen und damit den Bereich der Theorie hinter sich gelassen hat. Die Konzepte sind im Einzelnen:

Der erweiterte Kulturbegriff , der die Unterscheidung von repräsentativer Hochkultur und Populärkultur hinter sich läßt und alle Bereiche des menschlichen Zusammenlebens, der menschlichen Produktion und Gesellschaft als Teil der Kultur versteht. Kultur bietet Mittel zur Kommunikation und entwirft Perspektiven für die gesellschaftliche Zukunft.

Der erweiterte Kunstbegriff fußt auf der pädagogischen Arbeit von Joseph Beuys. Jeder Mensch verfügt über Kreativität, die durch eine entsprechende Schulung für die Gesellschaft produktiv gemacht werden kann. Wenn Beuys sagt, daß jeder ein Künstler ist, meint er, daß jeder auf seinem Gebiet kreativ sein kann und so zu einer besseren Gesellschaft beitragen kann. Lange bevor Wirtschaft und Politik dies verkündet haben, stellte Beuys die Gleichung auf: Kreativität = Volksvermögen = Kapital.

Beide Ansätze sind der Moderne und der Pluralität verpflichtet. Der Begriff der Ästhetik, wie er in der Arbeit von SPACEWALK verwendet wird, geht auf die postmoderne Philosophie zurück. Aus der Erfahrung heraus, dass es keine verbindlichen Wahrheiten gibt und dass in der Gesellschaft eine Vielfalt von gleichwertigen Weltwahrnehmungen und Lebensentwürfen entstanden ist, bedarf es veränderter, spielerischer und experimenteller Mittel zur Verständigung. In der Auseinandersetzung mit der Kunst und ihren vielfältigen Wahrnehmungsweisen kann der Umgang mit der Pluralität und Vieldeutigkeit eingeübt werden, und durch Querverbindungen, die wiederum ein Netz bilden, können neue Diskussionen und Diskurse entwickelt werden. Dieser Ansatz verabschiedet sich von endgültigen Wahrheiten und ersetzt sie durch eine Vielfalt von Kombinationsmöglichkeiten.

Bereits bei den beiden vorhergehenden Punkten gibt es Übergänge zum Methodischen, die im Begriff des Spiels noch deutlicher hervortreten. In der Arbeit von SPACEWALK ist das Spiel ein entscheidendes Element. Es ist der wichtigste Bestandteil im Prozess, der auf das Ziel zuläuft, und verweist im Kern schon auf das Ziel. Ein Spiel verläuft nach Regeln. Es bringt Menschen zusammen, eröffnet Möglichkeiten und schafft Kommunikation. Ein Spiel ist nicht der Ernstfall, aber es übt Fertigkeiten für den Ernstfall ein.

Friedrich Schiller schreibt in den „Briefen zur ästhetischen Erziehung des Menschen“: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“