Projekt Einhorn

EINHORN war ein Kulturprojekt, das 1993 in Stendal (Sachsen Anhalt) aus der Taufe gehoben wurde.

 

Allgemeines Ziel von EINHORN war es, Menschen zusammenzubringen und sie gemeinsam etwas ER-LEBEN zu lassen. Menschen unterschiedlichster persönlicher und sozialer Prägung, nationaler Herkunft und Alters.

 

Vor allem war EINHORN ein Ort der Begegnung für die Jugendlichen der Altmark. Sie waren Ausgangspunkt und Kern der EINHORN - Projekte. In ihnen konnten sie ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten ausbauen - oder neue an sich entdecken. Dabei war es ein Schwerpunkt unserer Arbeit, dass sich die Jugendlichen selbst einbringen müssen, nachdenkend und handelnd.

 

Dies geschah in einer ersten Projektphase in einer Vielzahl von Workshops (Spiel, afrikanischer Tanz, Musik, Foto, Trommel, Video), die von namhaften Künstlern aus verschiedenen Ländern (u.a. Senegal, Japan, Spanien, Australien) angeleitet wurden.

In der zweiten Projektphase verdichtete sich der Arbeitsprozess und mündete in die Erarbeitung des Stückes, das während der ersten Projektphase entwickelt wurde.

 

1994 kulminierte das Projekt in einem fünftägigen Festival mit vier Aufführungen in einem ehemaligen Zirkuszelt vor den Toren Stendals. 160 Zeitungsartikel befassten sich mit dem Projekt. Der Fernsehsender 3sat brachte darüber eine halbstündige Reportage.

Der damalige Bundespräsident Richard v.Weizsäcker lobte es in seiner Abschiedsrede vor Bundesrat und Bundestag als beispielhaftes und richtungsweisendes Kulturprojekt.

 

1995 verwirklichte Einhorn insgesamt sechs Aufführungen in einen Kühlturm des niemals in Betrieb genommenen KKW Stendal. Ziel war es, dieses Vakuum, das man durchaus symbolisch sehen kann im Sinne eines Orientierungs- und Wertevakuums mit einer ganz anderen Energie, nämlich der Kreativität der Jugendlichen und anderer Beteiligten zu füllen. Dabei wurde der Arbeitsprozess zur Aussage des Stückes: Energie durch Freisetzen des kreativen menschlichen Potentials. Mit dieser weit über Sachsen-Anhalt hinaus beachteten Aufführung gelang es, auch künstlerisch einen Schritt weiterzukommen.

 

Neben der Fortführung der sozialen und künstlerischen Arbeit in der Altmark, überschritt Einhorn mit dem dritten und letzten Projekt eine (auch im Wortsinn) weitere Grenze. EINHORN/ JEDNOROZEC 1996 war ein gemeinsames Projekt von Jugendlichen aus der Altmark mit Jugendlichen aus Svitavy, der Partnerstadt Stendals in der Tschechischen Republik. Höhepunkte waren die gegenseitigen Besuche der tschechischen und deutschen Jugendlichen sowie die gemeinsame Aufführung zu Silvester in der verschneiten Altstadt von Svitavy.

 

Durch den gemeinsam erlebten kreativen Prozess, durch ihre dauerhafte Begegnung und den Austausch mit Menschen anderer Kulturen, erfuhren die Jugendlichen ganz selbstverständlich, dass es eine Welt gibt, die alle nationalen Schranken überbrückt: Die Welt der Gedanken, Ideen und Gefühle, die Welt der Kreativität und Phantasie.

 

Insgesamt beteiligten sich über 6000 vor allem junge Menschen in mehr als 500 Veranstaltungen. Unter ihnen Punks, Schüler, Lehrlinge, Behinderte, Studenten, Arbeitslose und Erwachsene.

 

EINHORN gilt als das größte Jugend-Kultur-Projekt in Deutschland seit der Wende. Der beispielhafte soziale Aspekt fand große Anerkennung, unter anderem durch die Präsidenten Herzog und Havel, die sich sogar aktiv an einem Workshop beteiligten.

Die künstlerischen Resultate wurden bis ins Feuilleton der FAZ und der NZZ hoch gelobt. Insgesamt erschienen über 600 Presseartikel und eine Vielzahl von Fernsehbeiträgen in verschiedenen Ländern. So schrieb z.B. die Berliner Wochenpost:

 

..."Einhorn ist ein ziemlich basisdemokratisches, urbanes, natürliches Projekt. Es ist das, was wir uns in unseren kühnsten Träumen vom weiten Kulturbegriff immer gewünscht haben und von dem wir heute noch heimlich hoffen, dass es das gibt."...